Die Slammerinnen und Slammer des 3. IQST Q-Science Slams 2020 am 25.2. im Theaterhaus Stuttgart

Q-Science Slam 2020

Bühnenreife Quantenphysik

live am 25.Februar im Theaterhaus Stuttgart.
[Foto: IQST/Max Kovalenko]

Allen Ho-Na-Ro- oder Helau-Rufen zum Trotz lockte auch der dritte Q-Science Slam am Faschingsdienstag wieder die Fans der Quantenphysik ins ausverkaufte Theaterhaus Stuttgart. Sie wurden nicht enttäuscht. Statt Nerds á la Big Bang Theory nahmen eine Slammerin und vier Slammer das Publikum auf eine rasante Reise quer durch die Quantenphysik.

Keine leichte Aufgabe, bezeichnen sogar Experten auf dem Gebiet die Quantentheorie als unverständlich oder wie Max Born gar als "hoffnungslose Schweinerei".

Fünf spannende Vorträge später hatte das Publikum die Qual der Wahl darüber zu entscheiden, wer die Siegprämien in Höhe von 1.000, 500 und 250 Euro für die gleichwohl erhellendsten und unterhaltsamsten Beiträge mit nach Hause nehmen durfte.

Platz 1: Christoph Sünderhauf, Doktorand am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching (c) Christoph Sünderhauf
Platz 1: Christoph Sünderhauf

Der Sieger des Abends, Christoph Sünderhauf, Doktorand am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching, nahm das Publikum mit auf seine endlose frustrierende Wohnungssuche in München und lernte ganz nebenbei die Vorteile des Quantenshredderns kennen. Warum ein schwarzes Loch der schnellste Quantenshredder ist, daran arbeitet er gerade noch in seiner Doktorarbeit. Die Methode hat er R2-D2 abgeschaut, dem freundlichen Roboter aus Star Wars. 

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Platz 2: Sabrina Patsch, Doktorandin an der Freien Universität Berlin (c) Sabrina Patsch
Platz 2: Sabrina Patsch

Der zweite Platz ging an Sabrina Patsch, Doktorandin an der Freien Universität Berlin. Teure Mieten in Berlin, das nicht allzu üppige Doktorandengehalt und das Thema ihrer Doktorarbeit inspirierten sie zu ihrer Geschäftsidee – sie entwickelt Waffen für Superhelden und macht sich dabei den Quanten-Zeno-Effekt zu Nutze. Superschurken einfach einzufrieren durch bloßes Hinsehen, die Idee überzeugte auch das Publikum, auch wenn diese Methode vorerst nur in der Welt der kleinsten Teilchen zum Beispiel mit Photonen klappt.

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Mehr von Sabrina Patsch gibt es auf ihrem Blog zu lesen: Physicus Minimus - Über kleine Teilchen und kleine Physiker*innen.

Platz 3: Julian Maisch, Doktorand an der Universität Stuttgart (c) Julian Maisch
Platz 3: Julian Maisch, Doktorand an der Universität Stuttgart

Auf Platz 3 wählte das Publikum den verzweifelten Hochzeitsplaner Julian Maisch, Doktorand an der Universität Stuttgart. Wenn es darum geht, die einhundert Hochzeitsgäste seiner Freunde optimal zu platzieren, wird selbst dem Experimentalphysiker bei der unaussprechlich hohen Zahl an möglichen Kombinationen schwindelig und zwingt herkömmliche Rechner in die Knie. Er nimmt uns aber jede Hoffnung, das Googles Quantencomputer dieses Problem für uns zukünftig lösen wird. Am Ende siegt bei dieser Aufgabe noch immer das menschliche Gehirn.

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Die Plätze 4 und 5 folgten den Erstplatzierten dicht auf den Versen und können sich über 1-Million-Euro-Jahreslose der Aktion Mensch freuen.

Louis-Victor Schäfer (c) Manuel Kuchelmeister
Louis-Victor Schäfer, Masterstudent an der Universität Stuttgart

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Sie zwischen Ihrer Mutter und Ihrem besten Freund nicht mehr unterscheiden können? Louis-Victor Schäfer, Masterstudent an der Universität Stuttgart, zeigte uns, dass die Welt wie wir sie kennen eigentlich genau eine solche Welt ist. Schließlich sind wir alle aus identischen Teilchen aufgebaut, zwischen denen wir nicht unterscheiden können. Damit dieses Themenfeld der Festkörpertheorie, mit der er sich in seiner Masterarbeit beschäftigt, auch das unbedarfte Publikum versteht, betrieb er Aufklärung á la Bienchen und Blümchen.

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Fabian Spallek (c) Fabian Spallek
Fabian Spallek, Doktorand an der Universität Freiburg

Der Freiburger Doktorand Fabian Spallek hatte sich für den Abend nichts Geringeres vorgenommen als das Weltbild des Publikums zu erschüttern. Die Physiker Einstein, Podolsky und Rosen befanden 1935 in einem Gedankenexperiment, uns als EPR-Paradoxon bekannt, dass mit der Theorie der Quantenmechanik etwas nicht stimmen kann. Spallek spielt uns mit klassischen Bällen und Quantenbällen vor, was es mit spukhaften Quanten-Fernbeziehungen auf sich hat und wie man die richtigen Fragen stellt. Spätestens mit dem Sprung vom Gedankenexperiment zum Experiment von Bell 30 Jahre später bewies er uns, dass wir der Quantenmechanik trauen können. Widerlegen konnte sie zumindest seit dem niemand.

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Ionenfalle im Rampenlicht (c) IQST/Max Kovalenko
Ionenfalle

Vor der Siegerehrung konnte sich das Publikum noch einmal entspannt zurück lehnen. Auf der Bühne, das Herzstück eines Quantencomputers - die künstlerische Interpretation einer Ionenfalle. Winzige hohle Glaskügelchen schwebten im Raum von einem elektrischen Feld auf seltsamen Bahnen gefangen. Das Experiment ist Ergebnis eines Artists-in-Residence-Projekts. Robert Löw vom 5. Physikalischen Institut, der die Kügelchen live auf der Bühne zum Tanzen brachte, hat es gemeinsam mit dem Künstlerpaar Evelina Domnitch und Dimitrij  Gelfand designt.

"Siegerin und Sieger des Abends waren am Ende alle fünf Slammer", sind sich die Organisatorinnen Karin Otter und Mahdieh Schmidt einig. Alle haben sich der Herausforderung gestellt und dem Publikum unterhaltsame Happen aus der Quantenphysik präsentiert.

Zur Vorbereitung auf den Q-Science Slam konnten sich Studierende oder Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus ganz Deutschland auf einen Platz beim IQST-Workshop für Wissenschaftskommunikation bewerben. Der Berliner Drehbuchautor und Dramaturg Oliver Schmaering und die Leipziger Stimmtrainerin Mona Deibele gaben den Slammerinnen und Slammern das richtige Werkzeug für einen gelungenen Slam mit. "Die Übungen der Selbstinszenierung, der Rhetorik, der Dramaturgie ist die beste Vorbereitung für alle, die später oder bereits jetzt als Dozentin oder Dozent oder als Vortragende auf Tagungen vor Publikum stehen", ergänzt Tilman Pfau, Sprecher des Zentrums für Integrierte Quantenwissenschaft und -technologien, IQST.

Zentrum für Integrierte Quantenwissenschaft und -technologie IQST

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